Hier finden Sie eine kleine Auswahl verschiedenster Tages- und Wochenzeitungen, die etwas zu den get shorties oder über die get shorties Lesebühne, in den vergangenen Jahren, geschrieben haben.
Viel Spaß beim Lesen und Scrollen !

Alltag absurd
Skurrile Kurzgeschichten in der ebene 3

Heilbronn. Böser Alltag, verdammte Welt. Ein Mann röchelt auf dem Klo. Eine Gräte hat
sich festgebissen. Er ist zu eitel um Hilfe zu holen: Das hat er nun davon. Eigentlich wollte er
nur sein Rendezvous auf dem direkten Weg ins Bett bekommen. Ein U wie Ute fehlte ihm.
Aber ob er das Grätenattentat überhaupt überlebt ? „Irgendwann“, so erzählt die get shorties
Autorin Birgit Holzhausen, „ist der Masterplan wohl aus dem Ruder gelaufen“.
Die Sache mit dem Alltag ist ambivalent. Gesichtslos schein er zu sein, grau, gleichförmig
und zäh. Oft übersehen wir seine Hinterlist. Wie er einen hinterrücks anspringt, einen
überwältigt, verschlingt. Eine Gruppe junger Autoren hat sich vorgenommen, gegen das Grau
anzuschreiben und ihn mit seinen eigenen Mittel zu schlagen. „get shorties“ heißt das
literarische Forum, das Verleger Ingo Klopfer vor fünf Jahren in Ludwigsburg begründet hat,
zunächst in Form eine literarischen Salons, später als Lesebühne und in Gestalt eines
Literaturmagazins „get shorties“.
Eine handvoll Autoren aus dem Dunstkreis der „get shorties“ hat sich nun in einer köstlichen
Lesung der Stadtbibliothek in der ebene 3 Heilbronn vorgestellt. Sven Pesic und Frere de song
begleiten musikalischen den literarischen Marktplatz. Dort entstehen hingekleckste Skizzen
und Frechheiten aus Absurdistan. Einzige Vorgabe von Moderator Ingo Klopfer: Kurz
müssen Sie sein. Nicht mehr als zwölf vorgelesene, verständliche Minuten
Was sie nicht alles entdecken. Secondhand Reifen aus dem Besitz von Literaten, die Intimes
ausplaudern, finden sich bei Dirk Werner.Ingo Klopfer zeigt Momentaufnahmen bei einer
Mitfahrgelegenheit, die im Gestrüpp der Political Correctness geraten noch gut ausgeht.
Harald Riegg beschreibt Szenen aus einer Kneipe in Heilbronn mit allerlei psychisch
auffälligen Gästen. Jole Wagner berichtet von einem Kriegsschauplatz namens Weihnachte
und Maritta Scholz von Jungmädchenträumen, die sich aus Anfangszeilen von Popsongs
zusammensetzen. Am Donnerstag den 8. Februar 07 geht es mit den „get shorties“ weiter.
Wer das verpasst ist selber schuld.
Heilbronn Stimme 6. Dez. 2006


Lücke im Kultur-Leben gefüllt
"get shorties" Abend erweckt ehemalige Kultkneipe aus dem Dornröschenschlaf Besigheim - Fünf Autoren erwecken am Mittwoch das Café Grün aus seinem Dörnröschenschlaf. Waren es vor 20 Jahren noch Jazzkonzerte, die ein kulturell interessiertes Publikum anlockten, brachten nun junge Schriftsteller und Schriftstellerinnen wieder ordentlich Leben in die verwaiste Kultkneipe.

"Im Rahmen der Kunst- und Kulturwoche "sinnlos" konnten die "get shorties" Gruppe gewonnen werden, die im Großraum Stuttgart inzwischen eine feste literarische Größe darstellt. In seiner Ankündigung ließ Ingo Klopfer, Herausgeber der gleichnamigen Literaturzeitschrift, dahingestellt, ob denn Literatur, gemäß dem Ausstellungsmotto "sinnlos" sei. Überraschend viele Zuhörerinnen und Zuhörer bezeugten das Gegenteil und sorgten dafür, dass sich der Beginn der Lesung verzögerte, weil allerorten noch Stühle herbeigeholt werden mussten.
Als erstes nahm schließlich Dirk Werner den heimelig beleuchteten Platz hinter dem Mikrofon ein und trug seinen "Igelblues" vor. Im Gegensatz zu den anderen Beiträgen kam dieser in gereimter Form daher, vom Autor als Ballade untertitelt. Ingo Klopfer wiederum entführte das Publikum per Mitfahrzentrale ins "Wilde Kurdistan" und philosophierte unterhaltsam über kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten eines Kurden und eines Deutschen. Mit Jole Wagners Erzählung "Cuba libre" tauchte die Phantasie in eine schmuddelige Spelunke Madrids ein.
Das get shorties Konzept ging im Café Grün voll auf. Musikalische Pausen zwischen den Texten ließen genügend Zeit, das gehörte zu bedenken und zu diskutieren. Dass Regeln dazu da sind gebrochen zu werden, bewies Edwin Kubotat mit einem Beitrag der den Rahmen der Kurzgeschichte sprengte. Zwei Kapitel eine noch unvollendeten Romans gab er mit gefälliger Erlaubnis des Publikums zu Gehör und erwies sich als bissiger Satiriker. Lässig setzte er bitterböse Pointen, wenn etwa ein Kleinkind von den Spezialkräften des Bundesgrenzschutzes wegen terrorverdacht verhaftet wird.
Viel zu Lachen gab es auch bei den Beiträgen "Big Boss II", eine skurrile Geschichte um den Erwerb einer Kühltruhe von Dirk Werner und den Erlebnissen in der Bücherei von Schwäbisch Gmünd, die Ingo Klopfer im Duett mit Maritta Scholz zum Besten gab: Beide Texte satirisch zugespitzte Beschreibungen unserer Wirklichkeit. Ernster und eindringlicher dagegen "Frühlingszwiebel" von Maritta Scholz. Eine junge Frau verliert ihr Empfinden für sich selbst und wird andererseits übersensibel für die Seelennöte ihrer Mitmenschen.
Nach stark zwei Stunden endete das offizielle Programm, doch der Abend ist noch lange nicht zu Ende, Gespräche und Diskussionen um Literatur und Sinn und Unsinn des Lebens gehen weiter. "get shorties" hat für kurze Zeit eine Lücke im kulturellen Leben der Stadt gefüllt.
Text Rüdiger Erk, Neckar Enz Bote, Mai 2006

Shortstories in der Mensabar Freiburg
Eine Lesung ist, im schlimmsten Fall, langweilig. Im besten Fall ist sie unterhaltsam, regt zum Nachdenken an und bringt die Zuhörer zum Lachen. Demnach war der Abend mit den Kurzgeschichten von “Get shorties” ein Erfolg.
Die Themenpalette der sechs Autoren war bunt: Von den Nöten einer Thekenmannschaft (FC Not gegen die Spielervereinigung Elend) über unzufriedene Kunden einer Klon- Fabrik (“Ich hatte ausdrücklich blaue Augen bestellt, nicht braune.”) bis hin zu alltäglichen Absurditäten (Mitfahrgelegenheiten sind gar nicht so harmlos, wie ich immer dachte.).
Dass die Resonanz des Publikums nicht immer ganz so groß war, wie die Geschichten es eigentlich verdient gehabt hätten, lag schlicht und ergreifend an der geringen Zuschauerzahl: Die etwa 40 Besucher verloren sich völlig in den Räumlichkeiten der MensaBar. Wer da an der falschen Stelle lachte, wurde sofort geortet. Die sechs Autoren lasen aber dennoch voller Elan und Witz ihre Geschichten vor. Dazu spielte der Stuttgarter Musiker Roman Wreden melodiöse Balladen aus seinem gerade erschienen Album “Trophy”.
Das Projekt “get shorties” gibt es seit vier Jahren und entstand mehr durch Zufall, wie Mitbegründer Ingo Klopfer erzählt: In einem leer stehenden Bäckerladen in Ludwigsburg fanden die ersten Lesungen statt. Die Nachfrage war so groß, dass dieser bald zu klein wurde, und die Jungautoren expandierten nach Stuttgart. Mittlerweile verfügt das Literaturprojekt über einen festen Stamm an Autoren, aber Neue seien herzlich willkommen, so Ingo Klopfer. Aufgrund der großen Nachfrage hat die Literaturtruppe sogar schon drei Bände mit gesammelten Werken herausgebracht. Die Autoren zeigten sich hinterher zwar ein wenig enttäuscht, ob der geringen Nachfrage, aber wir hoffen, dass sie trotzdem noch einmal nach Freiburg kommen werden mit ihrem Literaturprojekt. Vielleicht nicht gerade in die Mensabar.
von meike | fudder 22.05.06

Kleine und allerkleinste, fein und scharfgewürzte literarische Häppchen
Bei der short-story Lesebühne in Waiblingen.

Sie morden perfekt und dichten gewitzt. Sie sind zynisch oder melancholisch, brachialisch und sanft, brandaktuell oder zeitlich entrückt. Und sie sind atemberaubend, erquicklich und verblüffend. Die angekündigten "jungen und wilden Autoren" des dritten Waiblinger short - story - slam. Doch wer weiß das schon vorher? Ein Wagnis ist solch ein Abend für alle Beteiligten. Den Veranstalter im Schwanen, die Autoren und den Organisator Ingo Klopfer. Zwar besitzt Letzterer große Erfahrung und eine E-Mail Adresse, auf der zunächst einmal Beiträge aller Art eingehen, bevor er dann am Veranstaltungsabend durch das von ihm zusammengestellte Programm, mit gezielt ausgewählten Beiträgen, führt. Aber Lesungen sind zum Einen selten Publikumsrenner. Zum Anderen findet ein selbst gelesener Text andere Nistplätze im Hirn des literaturscharfen Interessenten, als live gehörte, von den Autoren vorgetragene Essenzen, die sich mit heißeren angespannten Stimmen, sonoren Warmbädern oder aggressiven Wortkaskaden in minutenkurzen Schüttungen übers Publikum ergießen. Und sie sind spontan, diese Rabulisten und Wortartisten, manch brandaktueller Text muss, entgegen der Planung dann, auf der grade zur Verfügung stehenden Abendbühne einfach losgelassen werden. Sichere Unterhaltungsplanung ist solch eine Lesung für den Ludwigsburger Macher Ingo Klopfer nie.
Das Publikum derweilen begibt sich unterhaltungswillig, vergnüglich und gelassen, abwartend oder skeptisch gespannt in das zu hörende Leseabenteuer. An diesem Abend im Schwanen ging es heiß zu. In rasantem Tempo wechselte das literarische Staffelholz auf der Bühne vor etwa siebzig Zuschauern, die amüsiert und gebannt bis zum Ende, den lesenden Schreibern folgten. Klopfers Konzept ist wieder einmal aufgegangen. Eben auch, weil er sich mit seinen Autoren immer Künstler aus den betreffenden Regionen sucht in welchen die Lesungen dann stattfinden.
Martin Kirchhoff aus Leonberg wischte tiefgründig dadaistischen Staub, Gänsehaut erfasste die Zuhörer gleich zum Abendauftakt: "ja ja , das Laub muss weg, ja ja der Dreck muss weg, ja ja der Kerl muss weg, das Weib muss weg....". Eine lyrisch gefasste Karriere vom Staubfänger zum Rassisten, in beklemmender Geschwindigkeit.
"Amen dachte Hagen", kompakt, witzig, ironisch, vollendet in der Form, sozusagen der Goldguss einer Shortstory, war Ingo Klopfers Beitrag zur öffentlichen Sterbebegleitung des Papstes. Die vorausgegangene Beklemmung wich einer befreienden Heiterkeit und solcherart Wechselbäder der angepiecksten Gefühlswelten machten auch im weiteren Verlauf den Abend zum lebhaften Kulturerlebnis. Ein Flugblatt der christlichen Mitte: "Homosexualität ist heilbar", veranlasste den Hetero Tobias Heyel, dem mutmaßlichen Leser des Infoblattes mögliche Angst vor Ansteckungsgefahr durch Tröpfchenvirus oder Homogene (" Wie sollten die denn auch aussehen, etwa wie Mikrowesterwelle"), sehr lautstark und wortwuchtig auszutreiben. Jochen Weeber aus Reutlingen konterte mit anmutiger, lyrischer Stille. Und seine Prosageschichte erzählte die Einsamkeit des Verliebten, auf der Hochzeit des umsonst Begehrten, geradezu schweigsam, in fast spröder, intensiver Gedanklichkeit.
Die Waiblingerin Gisela M. Held wiederum hatte shortstories en miniature mitgebracht, von ungewöhnlichen Berufsrisiken des Torschützen beispielsweise, oder vom "Frauenmord im Dunkeln". Vom Fußball zum Triathlon schleuderte dann Volker Schwarz aus Burgholz die Lauschenden. Und in die ausebbenden Lachsalven hinein stimmte Kurt von Suso aus Korb, als außerirdisch rappender Weltbetrachter, ein dichterisches Lied an.
Kurt Dapper , Ex Waiblinger aus Bremen rächt und mordet an Silvester, Edi Kubotat /Ludwigsburg stellte mit dem ersten Kapitel aus "Mythen der Patente" einen gesellschaftskritischen sience fiction vor und Joa Bauer aus Esslingen, lakonisch und nicht jugendfrei, las aus seiner Reihe "misslungene Plagiate" das mildgesäuerte, konstruktivistische Liebesdrama "Ich habe Dir nie einen Rosenkohl versprochen."
Birgit Holzhausen / Fellbach, schmiedete mit ihrer Shortstory "Masterplan" ein literarisch vollendetes Eisen. Gregor hakt darin die Frauen alphabetisch ab, gerät an U wie Ute, verschluckt sich an ihr und an einer Gräte. Kotzend reüssiert er seine Situation am Valentinstag in einer Restauranttoilette. Das war messerscharfe und reife Kunst einer jungen Autorin. Wer nachlesen will, kann das tun. In der Kurzgeschichtentaschenliteraturzeitsschrift "getshorties". Sie erscheint zweimal im Jahr und ist zu beziehen über www.getshorties.de.
Text Kritik Waiblinger Zeitung von Ursula Quast , 09. April 2005

Gute belegte Wort-Häppchen Literatur:
Junge Autoren geben sich im "Spielplatz" ein Stelldichein.

Lecker. Dieses Häppchen waren besser als bei jedem Büffet. Kleine, feine literarische Happen wurde im Café Spielplatz serviert; zeitgenössisch, jung und wild, nachdenklich, selbstironisch, komisch. "get shorties", denn Kurzweil kann was Wunderbares sein. Vor allem, wenn sie am nächsten Tag noch ganz sacht im Hals kratzt.
Vornehmlich junge Leute hatten sich gemütlich an den Tischen ausgebreitet, Wein macht die Runde, ein Endzeitelexier, wie man später erfahren sollte, und Feuerzange schnappten mit schöner Regelmäßigkeit existenzialistisch im Dunkeln. Ein rotes Herz hüllte den Leseplatz in schönen Schein, man war am Puls der Zeit. Und dann konnte man ihn beobachten, ganz geruhsam, den Heile-Welt-Verlag, wie er sich im Spagat reckte nach den Polen Unterhaltung und Literatur und langbeinig tatsächlich in beiden steckte. Die Jugend mag einen schlechten Ruf haben ( wie immer schon); aber es gibt sie doch, die jungen Schreiber, Denker und Philosophen.
Ins "Spielplatz" kamen sie zu acht. Da war Ingo Klopfer, Initiator dieser Suche nach den Kurzwarenproduzenten, der seinen "Rudi" voll philosophischer Gleichmütigkeit Namen in die dichte Schneedecke pinkeln ließ. Kurze Namen. Da war Volker Schwarz aus Burgholz, der sein eigenes Ego dem Sport-ist-Mord-Test unterzog und haarsträubend herrlich verlor. Ist die Welt nicht schön, wenn Kühe Fahrrad fahren? Maritta Scholz las gleich zweimal. Einmal in bester Nick Hornby-Tradition und einmal fasziniert schnuppernd dem Alter auf der Fährte, absurd, nachvollziehbar und erschreckend treffend. Ich denke also bin ich. Edwin Kubotat hatte es, weniger futuristisch als vielmehr frech, bereits auf Harz XI abgesehen. Von längst vergessenen Tagen rappte er, der Kurt von Suso, während der Heile-Welt Hauspoet Jens Schreblowsky glückliche Rinderleben durch den Wolf drehte, das ganze mit Endzeitkomik und einer verwirrten Melancholie würzte, die schwanke zwischen zarter Poesie und rüder Pragmatik und die er wie Rouladen einwickelte in eigensinnige Klaviertiraden. Wahrhaft geradezu war der Kult , den Dirk Werner um den Künstler spann: aus Reifen-Ranicki, mit Vornamen Marcel, aus Zahnbürsten von Van Gogh, Gebissen von Adenauer und der alternativen Altervorsorge. Er erhob das Backpfeifenverteilen zu einer Kunst, bei der einem die Tränen einzig vor Lachen über die Backen kullerten. Joa Bauer schließlich wurde zum Sklaven der Kommunikation.
Hartmut Zeller am Klavier packte die "shorties" in ein weiches Bett aus melodiös jazzigen Klavierimprovisationen. Was soll man da sagen ? Kleinvieh macht auch Mist und der war in diesem Fall wahrlich dufte.
Text Kritik Gmünder Tagespost von Vivien Moskaliuk, 07. März 2005

Klein, aber oho:
die neuen Osterholz-Shorties sind da Bändchen mit 14 Geschichten von 14 Autoren

 
In der Kürze liegt die Würze. Dieses Motto haben sich auch die Autoren des Literatursalons in der Osterholzallee auf die Fahne geschrieben. Die 14 Kurzgeschichten ihres neuen Bändchens "get shorties" sind weniger würzig als vielmehr morbid: In ihnen wird ziemlich viel gestorben.
Die "Shorties" des Literatursalons Osterholzallee erscheinen bereits zum fünften Mal. Und sie sind inzwischen ein bisschen erwachsener geworden. Zumindest was das Erscheinungsbild angeht: Das Heftchen ist zum Bändchen gereift, statt nur zusammengeklammert erscheinen die Geschichten jetzt in geklebter Form.
Jeder Shorty eine Überraschung.
Mitherausgeber ist wie immer der Ludwigsburger Slam-Literatur-Veteran Ingo Klopfer, der auch selbst eine Geschichte ("Knut hat's gut") beigesteuert hat. Die Autoren stammen Großteils aus der Region Stuttgart, einige der Geschichten waren schon bei den Lesungen im Literatursalon Osterholzallee zu hören.
Zwischen den beiden roten Pappdeckeln findet der Leser Gewohntes: Jede Geschichte ist wie immer eine kleine Überraschung mal mehr, mal weniger elaboriert, und jeder Shorty wirkt wie frisch von der Seele weg geschrieben. Zum Beispiel Kurt Dappers herrlich naiv-absurdes Stück "Checker unterwegs". Die Geschichte ist ein Stück Lebenshilfe für den Alltag: Was tun, wenn im reservierten Schlafwagenabteil plötzlich ein toter Hirsch liegt ? Ebenfalls tot, jedenfalls fast, ist Carsten Piper in seiner Story "Death by DumDum". Er erzählt wie libidinös und schmerzhaft das andere Geschlecht auf einen armen, wehrlosen Mann wirken kann. Ausnahmsweise nicht ums Sterben dreht sich die Erzählung "Bernd Kugel II" von Joa Bauer. Der Esslinger behandelt auf liebevoll-ironische Weise die Tücken des Berufsalltags und die kleinen Spießigkeiten, die sich beim Erwachsenwerden ganz nebenbei einstellen. Und die Möglichkeit aus diesem Trott einfach auszubrechen.
Liebevolle Illustrationen: Neben fast jeder Geschichte steht eine Illustration des Ludwigsburger Künstlers Peter Schmidt. Er stellt Dappers Hirsch oder Pipers Superweib in gleichermaßen liebevollen wie aufwändigen Schwarz-weiß-Grafiken dar und bereichert die Geschichten damit um eine zweite visuelle Dimension.
Ob beim Arzt im Wartezimmer, auf dem stillen Örtchen oder in der S-Bahn - für die Shorties gibt es eigentlich immer eine Fünf-Minuten-Gelegenheit. Die Geschichten wirken wie kurze, literarische Erfrischungsduschen im oft so tristen, unpoetischen Alltag.
Text Kritik Ludwigsburger Kreiszeitung von Markus Klohr, 23. Dezember 2004


Mit dem Bier in der Hand der Literatur gefröhnt
Autoren von "get shorties" locken wieder viele

Marbach. Dem Schiller hätte der Abend neulich im Café provinz, knapp schräg gegenüber seiner Geburtsstube, wohl gut gefallen. Es gab Geselligkeit, Bier und eine Menge Spaß an der Literatur. Autoren um die Gruppe "get shorties" lasen hier zum wiederholten Mal Geschichten und Gedichte. Und sie erinnerten an die verstorbene Anna Romas. Ingo Klopfer, der Kopf der von Ludwigsburg aus in alle Richtungen expandierenden Literaturformation, machte den lockeren Einstieg. Eine Partygeschichte über den linkischen Rudi, der einen Mädchennamen in den Schnee pinkelt. Das Glucksen und Lachen im vollen Café Provinz setzte ein und sollte bis zum Ende nicht mehr aufhören. Um Namen ging es auch bei einem der Lieder, welche die Miniband "Mama Cash" (Marc Haiber, Ma Rau) dazwischenstreute: " Mädchen mit Kartoffelnamen haben mir immer schon den verstand geraubt." Dass hohes Niveau in diesem Rahmen nichts von seiner Qualität verlieren muss, bewies der Auftritt von Jens Schreblowsky. Seine Bahn, auf die das lyrische Ich in dem Gedicht "Endstation Sehnsucht" wartet, "kommt aus dem Nichts." Von Anfängen, regen, glücklichen Rindern, einer Rinderhack verspeisenden Frau ist die Rede. Das ist nicht kurios-lapidar bei dem 37-jährigen Esslinger, sondern passt zusammen und reißt durch seinen Rhythmus mit. Ernsthaftes präsentierte auch bei seinem 50. Bühnenauftritt der 26-jährige Stuttgarter Tobias Heyel mit umwerfender Sprachfertigkeit in rappender Slam-Poetry-Manier. Er brachte das Thema Outsourcing auf seine traurigen Knackpunkte, fiel aber Kraft seines überlegenen Ausdrucks nicht in die Niederungen der Verbitterung. Bei Maritta Scholz ging es in "Angekommen" um einen Reifeprozess, an dessen vorläufigen Ende es weder Wut noch Melancholie mehr gibt. Edwin Kubotat meinte, er habe nichts zu sagen, stehe nur aus therapeutischen Gründen auf der Bühne. Das hat das Publikum nach den Erinnerungen an einen freund, der sich nie verbiegen ließ, vergessen. Mit seiner unsäglichen Playmobil-Krippengeschichte hat der 33- jährige Debütant Jole Wagner aus Heilbronn den Einstieg in die Szene mit Bravour geschafft. An altem Brauch kratzte auch Joa Bauer und probte die "Revolution des Kasperletheaters." Mit treffsicheren Spitzen gegenüber aufgeblähten Werbesprache begeisterte Carsten Piper und festigte seinen Ruf als Könner. Martin Kirchhoff sprach von einer Beerdigung, einer echten, die Stunden zuvor stattgefunden hatte. Die Esslinger Autorin Anna Romas, die zuletzt mit ihrem Roman "Latte macchiato" auf sich aufmerksam gemacht hatte, lebt nicht mehr. Kirchhoff trug ihr Gedicht über das Ende eines festes vor. Auch ihr hätte dieser Abend wohl Spaß gemacht.

Text Kritik Marbacher Zeitung von aki, 29. Januar 2005

Den Zuhörern wird der Kopf gewaschen Esslingen:
Autoren lesen Kurzgeschichten "Neben der Spur" im Friseursalon Jens Haarmonie

Eine Literaturveranstaltung, bei der einem gründlich der Kopf gewaschen wird? Doch, so etwas gibt es. Zum fünften Mal haben Schriftsteller aus Esslingen und anderen Orten selbst verfasste "haarige Kurzgeschichten" im umfrisierten Friseursalon Jens Haarmonie in der Heugasse gelesen. Allein der Titel: "Neben der Spur" weckt Erwartungen. Aber mit einer Kopfwäsche vom Meister persönlich hat wohl keiner der etwa 50 Besucher gerechnet. Organisator und Autor Jens Schreblowsky verteil Lose. Fortuna zieht No. 59. Der Herr mit dem streichholzkurzen Haar wechselt vom Klappstuhl zum Ledersessel vor dem Haarwaschbecken, während der Autor Martin Kirchhoff am Lesepult die Geschichte "Der Schlüssel" ankündigt. Das Wasser rauscht und No. 59 wird eingeschäumt, während Kohlbach von der Frau und dem Mann beim Essen erzählt. Eine sanfte Kopfmassage. Kohlbachs Protagonisten kauen. Wasser plätschert wieder. No. 59 wird frottiert und die Leute aus der ersten Kurzgeschichte des langen Abends sind fertig mit Essen. Das nennt man Timing.
Pariser Flair beim Coiffeur
Überhaupt läuft alles glänzend, während Schreblowsky mit nervöser Betriebsamkeit eifrig den Charme des Unvollkommenen versprüht. Gelesen wird im Zehn-Minuten-Takt. Nach jeder Short-Story, darf Marla mit ihrem Akkordeon und klassischen Chansons ein wenig Pariser Flair zwischen Föhn und Haarspülung zaubern. Drei Storys, dann gibt's zehn Minuten Pause zum Frischluftrauchen vor der Tür. Anschließend kommen die Kurzwarenkonsumenten wieder auf ihre Kosten. Neun Autoren geben Besinnliches, Poetisches, Surrealistisches Humorvolles und Gar-nicht-Lustiges von sich, während es am Waschbecken heißt: der Nächste bitte. Fortuna hat hier geschickt eine dramaturgische Steigerung geschaffen. Die Nächste hat überschulterlanges Haar, während der letzten Gewinnerin des Abends die Haar bis zum Po reichen. Da zuckt auch der Maestro kurz mit der Shampooflasche. Die Sängerin von Piaf'schen Format stimmt: "What a wonderful world" an und der engagierte Kämpfer gegen gespaltene Haarspitzen shampooniert mit viel Gefühl die Haarpracht. Zwischen den Wänden mit rosa Mischtechnik und illuminierten Trockenhauben, sitzt das Publikum dicht gedrängt und hört den Schriftstellern aus Leidenschaft andächtig zu. Mit schwäbischer Färbung wird von schweigenden Pilgern berichtet, von schlechtem Wädder, von einem Zauberlehrling in Anführungsstrichen, dem Dialog mit Nicole Kidman über die Zubereitung von Eieromeletts und von der "Stehparty einer Laufbahn."
Berufsziel Oberbürgermeister
Die meisten Autoren haben Brotberufe wie Schreblowsky der in der Computerbranche tätig ist, andere wollen mal was werden, etwa Oberbürgermeister von Ludwigsburg. Dort liest der lose Zusammenschluss schreibfreudiger Menschen seit drei Jahren unter der Federführung von Autor und Verleger Ingo Klopfer. Die Hefte "get shorties" in Brieftaschenformat kann man an der improvisierten Bar kaufen. Es ist sympathisch eng im Laden. Die Besucher schätzen das zwanglose Plaudern in den Pausen und ein Gläschen Prosecco in der Hand.
Text Kritik Esslinger Zeitung von Petra Bail vom 27. Januar 2004

Geschichten von Traumfrauen, Fräuleins und doofen Männer - Lesung des Literatursalons Osterholzallee 
Der Literatursalon Osterholzallee ist auf dem besten Weg, sich zu einem Markenzeichen für Erzählkunst in der Region zu entwickeln. Pünktlich zum Erscheinen der zweiten Ausgabe von "get shorties" - einer Zeitschrift gespickt mit Kurzgeschichten - kamen die Autoren zu einer Lesung zusammen. Treffpunkt am vergangenen Dienstag war die Stadtbibliothek Ludwigsburg.
Der Literatursalon Osterholzallee ist jung. In jeder Hinsicht. Von vier Lesezirkeln in Ludwigsburg wurde er als Letzter gegründet. Vor zwei Jahren hob Ingo Klopfer das Projekt aus der Taufe. Von den Autoren ist keiner jenseits der 40. Alles andere als angestaubt kommen auch die Texte daher: Unterhaltsam, hinreißend komisch, skurril und mitunter nachdenklich, oft angereichert mit einer Prise schwarzem Humors. Einzige Vorgabe an die Autoren: Sie müssen Kurzgeschichten erzählen. Genau diese Aufgabe setzten sie bei der Lesung in der Stadtbibliothek um. Maximal zehn Minuten durften die acht jungen Dichter und Autoren von "get shorties" ans Rednerpult. Welche Geschichte sie vortrugen, blieb Ihnen überlassen.
Den Anfang machte Carsten Piper, als Verfasser von Kurzprosa und Krimis bereits weit mehr als ein Talent. In "West-Side-Story" lässt er seinen Helden an der Kasse eines Supermarktes hinter seiner Traumfrau ausharren. Die Angst, dass sie ihn tatsächlich anspricht, wechselt mit der Befürchtung, sie könnte es nicht tun. Mit Sinn für köstliche Situationskomik führt Piper die Story zu einem glücklichen Ende.
Antje Kramers "Fräulein Wielers" plagen andere Probleme: Ganz der Bidlung verschrieben, hinkt sie dem Zeitgeist hinterher. Verständnis und Männer bleiben ihr so versagt.
Joa Bauers Protagonist heißt wie seine Geschichte "Knut". Dieser ist hässlich, doof und mit einem sozialen gewissen eines Zweijährigen ausgestattet. Verständlich, dass er vergeblich auf den Durchbruch hofft. Knut wird sein Leben als Jungfrau beenden.
Im Laufe des Abends gaben außerdem Jens Schreblowsky, Ingo Klopfer, Andreas B. Vornehm, Edi Kubotat und Martin Kirchhoff ihre aktuellen favorisierten Kurzgeschichten zum Besten, wodurch ein Programm entstand, das die ganze Bandbreite der frischen Erzählkunst aus der Osterholzallee abdeckte. Diese und andere Geschichten von oben genannten und weiteren Autoren aus Ludwigsburg, Esslingen und Berlin finden sich in der Literaturzeitschrift "get shorties", die in Ludwigsburger, sowie Esslinger und Berliner Buchhandlungen oder direkt beim Literatursalon Osterholzallee erhältlich ist.
Text Pressebericht der LKZ (LudwigsburgerKreisZeitung) vom 30. Mai 2003